Quelle: NWZ vom 20.04.2016

Anlieger gegen Durchgangsstraße

Politik stützt Widerstand aus dem Wohngebiet rund um den Hayengraben
von Thorsten Kuchta

OSTERNBURG - Nur wenig bewegt die Oldenburger so stark wie die Zunahme von Autoverkehr in ihrem Viertel. Das bewies sich am Montagabend erneut im Verkehrsausschuss: Mehrere Dutzend Anlieger des Wohngebiets zwischen Sand-, Herren-, Warns- und Ostweg füllten die Plätze im Zuschauerraum.

Erschließung nötig
Der Anlass: Mitten im Wohngebiet gibt es eine leere Fläche - zwischen Am Hayengraben und Paul-Krey-Straße - die mit Wohnhäusern bebaut werden soll. Und um die zu erschließen, wollte die Verwaltung eine durchgehende Verbindung zwischen Am Hayengraben und dem Herrenweg schaffen. Das würde zudem als neue Verbindung zwischen Herrenweg und Sandweg Umwege im Wohnviertel vermeiden sowie den Warnsweg und den Ostweg von zusätzlichen Fahrten entlasten. Für diesen Vorschlag erntete Johann de Buhr vom Tiefbauamt der Stadt heftigen Protest. Stadtbaurätin Gabriele Nießen sprang daraufhin ihrem Mitarbeiter zur Seite.

Kandinskystraße als Negativ-Beispiel
Keine zweite Kandinsky-straße wolle man am Hayengraben schaffen, sagte Renke Meerbothe (SPD).
Die Straße in Kreyenbrück ist seit Jahren ein Konfliktherd. Die Anlieger fordern seit Jahrzehnten vergeblich eine Sperrung für den Durchgangsverkehr, der die Wohnstraße als Direktverbindung zwischen der Klingenbergstraße und dem Kreyencentrum nutzt.
Die Anlage der Straße als verkehrsberuhigte Zone sei angesichts ihrer Funktion als Durchgangsstraße falsch gewesen, so die Stadt 2012.


Aus fachlicher Sicht sei der Verwaltungsvorschlag richtig, sagte sie. Zudem gebe es eine Vorgeschichte: Der noch immer rechtsverbindliche Bebauungsplan 463 sehe die vorgestellte Verbindungsstraße vor. Da sich bereits damals abzeichnete, dass die nun zur Bebauung stehenden Grundstücke lange frei bleiben würden, sei man den Wünschen der Anlieger nachgekommen und habe zunächst auf den Bau der Verbindung verzichtet. Nun müsse man angesichts der Neubebauung aber auf der Grundlage des Bebauungsplanes neu nachdenken, da die Bauplätze erschlossen werden müssten.
Aus einer durchgehenden Verbindung wird aber nichts werden. Denn nicht nur die Anlieger, auch die Politik lehnt den Durchstich zum Herrenweg strikt ab. "Wir laufen Gefahr, dass wir Planungsfehler als längst vergangenen Zeiten wiederholen", sagte etwa Markus Dietz (Grüne). An vielen Orten Oldenburgs gebe es "Siedlungsbrei" ohne erkennbare Struktur. Christoph Sahm (SPD) sagte, dass man mit dem Plan der Verwaltung die Straße Am Hayengraben für alle öffne, "die eine Abkürzung suchen." Hans-Henning Adler (Linke) sagte, die Menschen hätten sich an die jetzige Situation gewöhnt, die man nicht ohne Not ändern solle.

Olaf Klaukien (CDU) erinnerte daran, dass es nördlich des Sandweges demnächst weitere Wohngebiete gebe, die für zusätzlichen Verkehr sorgen, und mahnte ein Gesamtverkehrskonzept für das Viertel an. Das will die Verwaltung möglicherweise im Sommer vorlegen.

Poller bremst Verkehr
Nun ist aber zunächst vereinbart, dass es eine Erschließung geben wird, die aber nach dem Bau der neuen Häuser mit einem Poller verschlossen wird, den nur Fahrer von Rettungsfahrzeugen und die Müllabfuhr öffnen könne, hieß es.

Es war Renke Meerbothe, der eine besonders missglückte Verkehrs-Planung ins Feld führte: "Wir wollen keine zweite Kandinskystraße". sagte der SPD-Ratsherr.