Quelle: NWZ vom 29.12.2012

Sorge um alten Baum im Neubaugebiet

Anwohner im Sandweg sehen Eiche bedroht - Stadt widerspricht der Kritik

. . . von Oliver Bloch

Bild: Oliver Bloch
Baggern im Kronenbereich: Die Anwohner am Sandweg kritisieren, dass die Stadt mit zweierlei Maß messe. Das bestreitet die Verwaltung.

Die Anlieger im Sandweg fürchten um den Bestand des alten Baumes. Er werde nicht ausreichend geschützt, sagen sie.

OSTERNBURG - Tritt in Oldenburg der Schutz alter Bäume in den Hintergrund, wenn es um den Neubau von Wohnungen geht? Ja, meinen einige Anwohner im Sandweg. Nein, entgegnet die Stadtverwaltung.

Konkret geht es um eine zwischen 150 und 200 Jahre alte Eiche. "Die haben wir bisher immer auf eigene Kosten und unter strengen Auflagen der Naturschutzbehörde schneiden lassen", berichtet ein Anwohner. Als dann in diesem Jahr das Baugebiet auf dem Nachbargrundstück erschlossen wurde, habe die Stadt den Baumschutz allerdings überhaupt nicht mehr ernst genommen.

"Es wird hier mit zweierlei Maß gemessen", ärgert sich der Osternburger. Denn seiner Auffassung nach wurde im Kronenbereich der alten Eiche gebaggert. Ein sogenannter Wurzelsuchgraben sei von den Baggern eindeutig in Richtung des Baumes überschritten worden. "Dieses Mal hat sich keiner von der Stadtverwaltung blicken lassen", kritisieren die Anwohner. Erst nach intensivem Drängen der Anlieger sei ein Schutzzaun aufgestellt worden.

Dass die Stadt untätig geblieben sei, stimme nicht, antwortet Stadtsprecherin Swantje Engel auf NWZ-Anfrage. "Die Forderung der Unteren Naturschutzbehörde nach einem Schutzzaun und die des Anliegers haben sich überschnitten", sagt sie. Der gesetzliche Mindestabstand zum Kronenbereich werde eingehalten, so dass der Baumschutz nicht geopfert werde.

Das Baugebiet am Sandweg umfasst 10.000 Quadratmeter. Nach Angaben der Verwaltung entstehen dort derzeit zwölf Doppelhäuser, sieben Gebäude mit je drei Wohneinheiten und ein Wohngebäude mit fünf Einheiten.

Dass das künftige Mehrfamilienhaus unmittelbar neben der Eiche den Baum nicht in Mitleidenschaft zieht, bezweifeln die Nachbarn: "Dachspitze und Balkon befinden sich Kronenbereich. Damit müsste die Eiche unweigerlich sehr stark beschnitten werden." Zuvor sei es immer nur erlaubt gewesen, totes Gehölz zu entfernen. Zudem sei das Baugebiet so verdichtet, dass Mindestabstände nicht eingehalten würden und Durchfahrten etwa für die Feuerwehr zu schmal ausfielen.

Auch das beurteilt die Stadt anders: "Die Abstandsvorschriften der Niedersächsischen Bauordnung werden eingehalten. Die Breite der genehmigten privaten Straßen ist ausreichend", sagt Engel. Dass nebenan gebaut wird, sei völlig in Ordnung, wenn die Vorschriften wirklich eingehalten werden, meinen die Anwohner. Im Zuge der Verdichtung fordern sie jedoch ein wenig mehr Rücksicht.